Nº 175 (2022) – Buchbeginn

Nächste Woche dann im Radio zu hören.

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Ich wache früh auf. Es ist noch Nacht. Mit geschlossenen Augen versuche ich, in den Schlaf zurückzufinden, doch ich sinke nicht tief genug. Ich bleibe an einem trostlosen grauen Strand, auf halbem Wege zwischen Wirklichkeit und Alptraum. Besser wäre es, Licht zu machen und zu lesen, um die Labyrinthe zu vermeiden, in die sich die Gedanken verlieren. Doch die Müdigkeit lähmt mich, und ich treibe leuchtenden Erinnerungen entgegen. Manchmal streife ich sie, und dann stürmen sie so heftig auf mich ein, daß ich sie einen Augenblick lang mit der Wirklichkeit verwechsle.

Anne Philipe: Nur einen Seufzer lang. S 7.
Titel der Originalausgabe: Les temps d'un soupir © René Julliard, Paris, 1963
Lizenzausgabe der Verlags Volk und Welt, Berlin, 1968; Liz.-Nr. 302.  410/161/68
Ausgabe für die Deutsche Demokratische Republik
mit Genehmigung des Rowohlt Verlages, Reinbek bei Hamburg

 

 

Heute Morgen ging es mir ziemlich genau so, wie ich es um die Mittagszeit herum dann in diesem Buch las. Halbwach um halb Sieben. Das Notwendige erledigt und noch komplett müde wieder aufs Bett gelegt. Mit schweren Augen zurückkehren in die unterbrochenen Träume, ihre Fortsetzung befürchtend oder herbeisehnend. Ich weiß es nicht immer so genau, da das Gefühl, das mir aus den Träumen bleibt, meist ein unwirkliches, oft unbestimmtes ist. Und so lag ich und liege ich dann mit luziden Träumen meist noch ein oder zwei Stunden mehr oder weniger unruhig da, bis die Müdigkeit so weit als möglich verflogen ist.

Mal sehen, wie mir die „Klage über eine Trennung für immer” (Klappentext, das Buch schieb Anne Philipe nach dem Tod ihres Ehemannes Gérard Philipe) gefallen wird. Den Anfang des Buches jedenfalls, die ersten sieben oder acht Seiten, habe ich heute mehrmals gelesen. Und nächste Woche nehm' ich es mit in meine Radiosendung.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 24.06.2022 ein echtes Frühstück, den Regen, das wiedergefundene Buch (Valentin Rasputin: Abschied von Matjora).
 
Für morgen zog ich die Tageskarte Sechs der Kelche.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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Eine Antwort zu Nº 175 (2022) – Buchbeginn

  1. Sofasophia sagt:

    Das zitierte Erleben kenne ich auch sehr gut. Danke fürs Teilen.

    Mir fällt der Begriff „in Gedanken verlieren“ auf und ich überlege gerade, ob es vielleicht da immer wieder meine Hoffnung ist, im Gedanken-verloren-Sein das Verlorensein gegen ein Gefundenhaben einzutauschen und es darum zuzulassen? Also ein auf Finden-hoffendes-Verlieren. Paradox? Das muss ich mal weiterkauen.

    Scheint ein gutes Buch zu sein. Bin gespannt, ob du darüber noch mehr erzählen wirst.

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