Nº 035 (2022) – Wunschdenken

Die Wirklichkeit von Empfindungen. (Und etwas hinterher.)

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Selbst wenn es wegen irgendwelcher Naturgesetze nicht möglich sein sollte und vielleicht auch überhaupt nicht möglich sein kann, eine zärtliche Nähe zwischen den Menschen, zwischen zwei Menschen gar über größere Entfernungen herzustellen, so ist doch ihre Imagination den Menschen möglich und bei Gleichzeitigkeit der Vorstellung durchaus spürbar, empfindbar und als Empfindung wirklich – wie jede andere menschliche Empfindung wirklich ist.

 

 

Manchmal entstehen solche langen Sätze in der Kladde oder auf einem Zettel. Und dann kämpfe ich mit ihnen, ringe um eine bessere Sprache. Diesen da oben zum Beispiel habe ich versucht, in mehrere Sätze aufzuteilen. Damit brachte ich leider nicht die Aussage zustande, die ich in diesem einen Satz, in diesem „Monstersatz” sehe. Es ist wie verhext: Was ich einmal geschrieben habe, kann ich kaum irgendwann ändern. Ja, dazuschreiben kann ich manchmal, es gelingen Texte in Fortsetzungen. (Dabei habe ich den Eindruck, daß mir das früher noch leichter fiel.) Meine größte Schwierigkeit ist es meiner Meinung, Empfindung und Erfahrung nach, wieder in genau die Stimmung, in die Gemütslage, in die Bilder hineinzukommen, in denen ich am Textbeginn war. Dabei war ich da doch in einer meiner eignene Welten – wieso finde ich nicht wieder hinein? Was ist es, das mich daran hindert? Darum, um diese Fähigkeit beneide ich diejenigen, die Romane schreiben können: um die Möglichkeit, jederzeit wieder in diese eine ihrer eigenen Welten eintreten zu können. Und den oben im grauen Kasten stehenden Satz kann ich nicht in lesbareren Text verwandeln, ohne daß er dann nicht mehr mein Text ist.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 04.02.2022 einen aufgebauten Schrank (ächz), den Grünkohl, die schnelle Dusche ohne Haare.
 
Für Morgen zog ich die Tageskarte Bube der Münzen.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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7 Antworten zu Nº 035 (2022) – Wunschdenken

  1. annette sagt:

    Warum willst/wolltest Du diesen wunderbaren Satz ändern? Selbst wenn man ihn dreimal liest, um ihn vollständig (?) zu begreifen – besser kann er nicht werden!
    (Vielleicht konntest Du genau deshalb nicht mehr in diese eine Deiner Welten zurück? Weil es bereits perfekt ausgedrückt ist, was es da zu sagen/schreiben gab?)

  2. Nati sagt:

    Wenn mir Sätze für ein Gedicht durch den Kopf spuken, muss ich sie schnell nieder schreiben, sonst sind sie und das Gefühl dazu einfach weg.
    Wenn ich sie nach einer langen Zeit erneut lese, fehlt mir oft dieses Gefühl dafür, welches ich empfand als ich sie nieder schrieb. Sie fühlen sich dann oft fremd oder falsch an.

  3. Pit sagt:

    Kann ich gut nach empfinden. Ich selber tendiere oft zu Bandwurmsaetzen, ineinander mehrfach verschachtelt. Wenn ich die dann im Nachhinein zwei oder drei Mal lesen muss, um sie selber zu verstehen, dann wuerde es eigentlich Zeit, sie aufzuteilen. Falls ich mich dazu durchringen kann. 😀

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