#Adventskalender 2021 – (343): Das 9. Türchen

Wenn's mit der Stimmung nichts werden will: Fangt an zu singen.

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Das ist mein 12. Adventskalender, den ich all denen widme, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen. Möge uns allen eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen insbesondere für Menschen (und Tiere), die Hoffnung und Trost brauchen.

 

Den ganzen gestrigen Tag, okay: Fast den ganzen gestrigen Tag wollte ich damit verbringen, Weihnachtsgeschichten zu lesen. Weihnachtsgeschichten aus aller Welt, sozialistische Weihnachtsgeschichten, Weihnachtsgeschichten aus dem Erzgebirge und dem Vogtland. Wobei bei mir das Wort Weihnachts­ge­schich­ten auch Advents- und Wintergeschichten umfaßt. Nebenher lief leise irgendein Internet-Radiosender aus dem Icecast-Universum, der ganzjährig nichts als Winter- und Advents- und Weihnachtsmusik spielt (ich habe da eine Playliste für VLC, winamp, XMMS und so weiter). Außerdem hatte ich mir einen Wintertraum-Tee gemacht, der nach Sternanis, Orangen und einigen anderen Dingen schmeckt. Ihr merkt schon, ich wollte mich in eine Adventsstimmung versetzen. Doch das gelang mir nicht.

Was hilft in solchen Fällen? Mit Macht und Gewalt schaffte ich mir keine besinnliche Stimmung. Ablenkung? Vielleicht. Ich versuchte es. Es stehen genug Kartons in meiner Wohnung, in denen sich diverser Kram befindet, der gesichtet und sortiert werden muß. Ich nahm einen, stellte ihn auf den Tisch und öffnete ihn ohne zu wissen, was mich darinnen erwartete. Lustlos nahm ich Prospekte, Zettel und anderes eins nach dem anderen heraus, legte es dann ab auf einem der Stapel Aufheben – Wegwerfen – Nochmal durchsehen. Der größte wurde nach und nach der Wegwerfen-Haufen. Nach einer Stunde hatte ich genug davon, ließ durch den Reißwolf, was meiner Meinung nach zerkleinert werden mußte, stopfte in die dafür vorgesehene große Einkaufs­tasche das, was als normales Altpapier entsorgt werden kann. Dann kippte ich den im Karton verbliebenen Rest auf die Couch, packte den Aufheben-Stapel in das leere Behältnis. Das, was ich mir nochmal ansehen müßte, paßte in eine Prospekthülle. Auch die kam in den Karton. Und dann sollte der Rest von der Couch auch wieder hinein. Nicht ganz Stück für Stück, doch vielleicht könnte ich ja dabei gleich noch einiges zum Alpapier sortieren.

Das ging solange gut, bis ich einen DIN A5-Briefumschlag fand, der für mich untypisch mit X-Mas beschriftet war. Ich stutzte. Denn ich weigerte und weigere mich standhaft, dieses Denglish zu nutzen. Hm. Da war leider keine Erinnerung an diesen Umschlag. Ich öffnete die Papiernägel. Holte den Inhalt heraus. Ein paar halbverblaßte Polaroids zeigen meine Kinder im Schnee und vor Weihnachtsbäumen. Vier Weihnachtskarten hob ich auf von Menschen, die mir vor langer Zeit viel bedeuteten und heute nicht mehr leben. Und ein Zettel, den es zur Christmette in einer Kirche gab: Darauf waren Noten und Texte der von der Gemeinde mitzusingenden Lieder gedruckt. Und dann ertappte ich mich dabei, wie ich die Tenorstimme zu einem der Lieder vor mich hinsang. Ich zündete ein Räucherkerzchen an. Schaltete das Internetradio aus. Saß da und sang selbst und erinnerte mich an das 11. Türchen meines ersten Advents­ka­len­ders hier aus dem Jahre 2010. Und stellte fest, daß ich nicht viel besser geworden bin bei der Textsicherheit. Aber ich habe mittlerweile viele der Lieder in meinen diversen Liederbüchern gefunden und mit Lesezeichen markiert.

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Adventszeit.

Der Emil

 

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das im Dezember täglich ab 21 Uhr des Vorabends bei der Versteigerung von #hand2hand21 tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.

 

P.S.: Positiv waren am 08.12.2021 selbstgesungene Lieder (anstrengend, weil lange nicht viel gesungen), feiner Tee, viele doch noch gelesene Geschichten.
 
Die Tageskarte für heute ist die Fünf der Stäbe.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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7 Antworten zu #Adventskalender 2021 – (343): Das 9. Türchen

  1. Sonja sagt:

    Deine Beschäftigungen rühren etwas in mir an…
    Bei mir ist merkwürdig: Sobald ich singe, muss ich weinen. Vielleicht, weil ich als Kind nicht lachen, singen, weinen durfte, rumtanzen erst recht nicht.
    Bei dir lese ich, dass es auch anders gehen kann…
    Gruß von Sonja

    • Der Emil sagt:

      Wenn ein Kind das alles nicht darf … Nein, ich kann mir das nicht vorstellen (außer in den herrschaftlichen Häusern und das auch nur vor mehr als 200 Jahren).

  2. Graugans sagt:

    Ich mag das auch so gern und wenn ich nicht singe, dann nehm ich die Flöte und spiele mein Lieblingslied: „Maria durch ein Dornwald ging“ oder „Tochter Zion“ und dann einfach alles, was ich irgendwie mit F-Flöte bewältigen kann und irgendwann an Wintersonnwend kommt meine Freundin und dann gehen wir in den völlig verschneiten Wald und singen alles, was so daherkommt und solang, bis die Füsse Eiszapfen sind und dann gehen wir mit der Laterne wieder heim zum Auftauen … sei lieb gegrüßt!

  3. Gudrun sagt:

    Ich hatte mich ja mal lange mit alten Handarbeitstechniken beschäftigt, weil ich wollte, dass sie erhalten bleiben. In anderen Ländern trifft man sich und macht das gemeinsam. Und da wird auch gemeinsam gesungen. Bei uns singen die meisten alleine, aber dann auch noch so, dass keiner davon hört. Schade.

    • Der Emil sagt:

      Ach, als Kind war ich ein paarmal mit zum Federnschleißen. Man saß in Bauernküche und -stube, sortiere Gänsefedern und schleißte sie (die Kiele wurden herausgeschnitten), man sang und plauderte. Immer in der Adventszeit. Hutznohmd eben.

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