2021,308: Unwahrgenommen

Wenn mein Denkicht über Sätze stolpert:
Konzentration und Eingebung.

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Manchmal ist es eben so, daß ich mich beim Lesen an einem Satz oder zweien festbeiße. Daß mein Denkicht um diese wenigen Worte kreist, um sie herum­schleicht wie die Katze um den heißen Brei. Es gelang mir bei dem hier nicht sofort, irgendetwas dazu klar zu denken oder aufzuschreiben:

 

 

Vieles entsteht beim Schreiben, beim ersten Niederschreiben, durch höchste, glücklichste Konzentration, die Eingebung erzeugen kann und Dinge gewissermaßen ungewollt, ungezwungen hervorruft.

Eva Strittmatter: Briefe aus Schulzenhof. S. 62
2. Auflage 1979 © Aufbau-VerlagBerlin und Weimar (DDR) 1977
Lizenznummer 301. 120/51/79 · Bestellnummer 611 938 1

 

 

Zunächst war ich mir unsicher, ob Eva Strittmatter hier nur über ihr eigenes Schreiben oder über das Schreiben ihres Mannes Erwin Strittmatter oder allgemein über das Schreiben schreibt. Das ist doch … egal oder unwesentlich, denke ich seit ein paar Tagen. Mittlerweile weiß ich übrigens auch, wieso mich dieser Satz so beschäftigt(e).

Bei mir kommt, so dachte ich sehr lange, zuerst die Eingebung. Stimmt das aber? Hm. Teils teils, denke ich schnell. Doch dann fällt mir mein Text Schreibarbeit ein und: Jajaja, auch bei mir steht so verdammt oft eine Art Konzen­tra­tion am Anfang („Leere Deinen Geist!” ist auch nur eine Form der Konzentration, oder?) jeden Schreibens. Es gibt Ausnahmen, da mir nebenbei ein Satz einfällt, ein Gedanke durch den Kopf schießt, den ich sofort festhalten muß. Ja, Ausnahmen. Und selbst dann, so bin ich geneigt jetzt anzunehmen, selbst dann war oder ist in diesen Momenten eine besondere Art der Konzen­tra­tion (eben eine glückliche) vorhanden, die, weil sie nicht anstrengend ist, von mir nicht als Konzentration wahrgenommen wird, nicht wahrgenommen werden kann. Richtig, das klingt paradox! Bekloppt! Und doch scheint es zu stimmen.

Ein vor beinahe 56 Jahren geschriebener Satz (Februar 1966) spukte mir jetzt einige Tage in meinem Kopf herum, lag auf einen Zettel geschrieben am Schreibplatz so da, daß ich ihn immer wieder ansehen mußte. Selbst beim Suchen nach den Texten für dieses Blog lag er vor meiner Nase. Heute kam es mir in den Sin, nochmal über meine Schreiberei nachzulesen. Dann las ich den Satz nochmal und plötzlich war mir klar: Der Satz ist so allgemein, daß er auf ziemlich viel Schreiben zutrifft.

Ja, es braucht höchste und/oder glückliche Konzentration, keine erzwungene Konzentration, zu so vielem im Leben …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 04.11.2021 waren positiv ein umgesetzter Plan, Rührei mit Zwiebeln und Tomaten und Speck und Gurken (sog. „Kotzei”), Hanfradler zum Abend.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Neun der Schwerter (wieder Licht unf Hoffnung in mein Leben bringen).

© 2021 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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1 Antwort zu 2021,308: Unwahrgenommen

  1. socopuk sagt:

    Irgendwie habe ich erst jetzt gecheckt wie ich dich im Reader (wieder) abonnieren kann und merke dass ich du mir gefehlt hast! 😊
    (Die Dach-Konstruktion verstehe ich nicht nicht ganz, aber bestimmt hast du das mal erklärt/begründet?…)
    Zum heutigen Post:
    Bei mir passieren verschiedene Schreibanfänge bzw. Schreibanlässe. Gerade bei gefühlsmäßigem, klärendem, krisenhaftem, druckabbauendem, ventilartigem Schreiben kommt die Konzentration und die Erkenntnis erst während des Schreibens. (das ist übrigens meine Kategorie „gepunktet“.)
    In anderen Fällen geht mir ein Gedanke herum, den ich dann sprachlich ausbreite und versuche mehr oder weniger verständlich, schnörkelig, spielerisch zu verpacken. („gestreift“). Es ist nicht 100% trennscharf, aber ich merke einen deutlichen Unterschied während des Schreibens.
    Danke für die Anregung und einen schönen Tag dir!

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