2021,105: Effekten

Und Posamenten gehören auch dazu.

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Posamenten und Effekten. Na? Klingelt da was?

Posamenten zuerst: Alles, was schmückende Geflechte genannt werden kann, sind Posamente. Bordüren, Borten, Kordeln, Litzen, Quasten, alle möglichen Spitzen (auch Klöppelspitze) und sogar überzugene Knöpfe (und noch viel mehr). All das wurde im Erzgebirge lange Zeit in Hand- und Heimarbeit hergestellt. Und häufig war und ist feiner Draht ein wichtiger Bestandteil der Posamente. Es gab auch den Beruf der Bortenmacher, die auf eigenen Webstühlen Bänder, Borten und Tressen webten. (Ganz nebenbei gefragt: Kennt jemand das Brettchenweben?) Und die Klöppelfrauen (und -männer) gibt es noch heute, denn diese Knotentechnik-Kunst läßt sich auf Maschinen nicht so vollkommen in Klöppelspitze umsetzen, wie im Kunsthandwerk, in der Handarbeit.

Effekten. Nein, garantiert nichts Banktechnisches. Effekten ware alle an einer Uniform (zum Beispiel) aufgenähten Applikationen, also Kragen- und Ärmelspiegel, Kennzeichen für Waffengattung und Dienstgrade (insbes. bei der Marine auf den Ärmeln der Parade- und Ausgehuniformen) und natürlich Schulterstücke. All das bestand zu einem Gutteil aus Posamenten. In dem Betrieb, der in der DDR größter Hersteller war, im VEB OPEW (Volkseigener Betrieb Obererzgebirgische Posanenten- und Effekten-Werke, jetzt OPEW GmbH in Annaberg-Buchholz), hatte ich den theoretischen Teil meiner Ausbildung zum Instandhaltungsmechaniker. Natürlich sah ich mir damals auch diese und jene Produk­tions­stätte an. Litzen (für Kragen und Ärmel der NVA- und Polizeiuniformen) und Kordeln (für Schirmmützen und Schutzenschnüre) und Quasten sah ich entstehen. Spezialan­fer­tigungen wurden in kleiner Stückzahl oder Gesamtlänge auch noch von Hand gefertigt, zum Beispiel die Schulterstücke für einen Marschall der NVA (für den »Ernstfall« vorge­sehener, nie vergebener Dienstgrad noch über dem Armeegeneral), so wurde es erzählt.

Der größte Teil der produzierten Posamenten und Effekten war für den Export bestimmt, auch für den Export nach Westeuropa. Es würde mich nicht wundern, wenn auch in Polizei, Feuerwehr usw. usf. der alten Bundesrepublik die Uniformverzierungen aus dem Erzgebirge Verwendung fanden und noch finden.

Mit dem Verschwinden der vielen kleinen Betriebe und der in Heimarbeit fertigenden Menschen verschwindet aber auch wieder die Kenntnis von alten Handwerkstechniken und -künsten. Kennt jemand noch eine:n Handschuhmacher:in, eine:n Regenschirme reparierende:n Handwerker:in – einen Schirmmacher, heute noch anerkannter Ausbil­dungs­beruf – oder Bürstenmacher, Böttcher? Ja, der Fortschritt fordert Opfer und macht vieles einfacher. Er läßt aber auch vieles, meiner Meinung nach zu vieles verschwinden und in Vergessenheit geraten.

 

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Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 15.04.2021 waren positiv Kartoffeln, Quark und Leberwurst, mehrer Telefonate, Fortschritt beim AUfschreiben von Erinnerungen<.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zehn der Münzen.

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Über Der Emil

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