Nº 119 (2019): Typisch Mann

Innerer Monolog.

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Ach. Immer wieder das alte Lied. Ich sage es ihm jedes Mal, wirklich jedes einzelne Mal. Er muß mir nicht “zu Hilfe eilen”, irgendwie werde ich das alles schon schaffen. Aber manchmal möchte ich einfach jemandem erzählen, daß es mir nicht so gut geht, daß mir vieles zuviel wird, daß ich manche Sachen eben liegenlassen muß, weil ich sie alleine nicht schaffe. Wie soll ich das auch, bin doch zu allem alleine; und meine Tochter ist keine Hilfe, die vergrößert meine Sorgen zur Zeit nur. Wie oft bitte ich sie, mich hier und da zu unterstützen, wenigstens ihre paar Aufgaben im Haushalt ernstzunehmen und zu erledigen. Zumindest für etwas Ordnung in ihrem Zimmer zu sorgen und nicht alles überall in der Wohnung liegenzulassen, wo es ihr aus den Händen fällt. Und dann erzähle ich ihm davon und auch davon, wie leer und überflüssig ich mich fühle. Daß ich nichts mehr schaffe und immer nur kaputt bin.

Und er?

So typisch Kerl. Hört von Dingen, die ihn nichts angehen, hat natürlich sofort Lösungen für meine Probleme in seinem Kopf. Dabei habe ich keine Probleme, will nur mal gehört und erstgenommen werden und vielleicht ein Kompliment erhalten dafür, daß ich als Mutter wirklich mehr tu, als ich kann. Ja, das sagt er mir oft genug, und auch, daß ich mehr auf mich achten und Pausen planen soll und Zeiten für mich. Nur wann denn? Zwischen Haushalt und Arbeit und all den Sachen, die das Kind für selbstverständlich hält? Und was macht der Idiot? Bedrängt mich, faselt von Hilfe notwendig und muß nicht sein. Und ich sag ihm jedes verdammte einzelne Mal, daß er nicht helfen muß! Trotzdem steht er zwei oder drei Tage später vor meiner Tür, hat Seins einfach alles liegengelassen und will meine Probleme lösen, die ich ja eigentlich überhaupt nicht habe! Ich wollte ja nur drüber reden! Nix Problemlöser, nur reden! Angeblich erwartet er ja auch keinerlei Gegenleistung. Angeblich! Ha, das glaub ich ihm nicht, die Kerle wollen doch sowieso immer nur das Eine. Er ist keine Ausnahme. Echt nicht. Manchmal glaube ich, er erwartet, daß ich ihm für seine geleistete Hilfe – die ich ja überhaupt nicht will! – dann trotzdem einen bl…, also zu Diensten bin. Dabei will ich auch das nicht; jedenfalls kann ich es ihm gegenüber doch nicht zugeben, daß mir das genauso fehlt wie ihm. Also das alles, nicht nur diese spezielle Praktik. Der denkt sonst noch sonstwas von mir. Und das soll er ja um Himmelswillen nicht, der käme dann noch auf Ideen, käme er …

Typisch Kerl eben: Erwartet für jedes bißchen eine Gegenleistung. Nä, unsereines ist da ja ganz anders, ganz anders sind wir. Ehe wir was tun, müssen wir einen daraus entstehenden Nutzen erkenne bzw. uns dieses Nutzens eigentlich nur sicher sein. Und wir zerbrechen uns nicht den Kopf für den Kerl, wir wissen einfach, was besser für ihn ist.

 

 

(Wörtlich zitieren darf man die Mädels ja nicht …)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 29.04.2019 waren positiv ein kurzer Mittagsschlaf, prächtige Gerüche in der Küche, Wahrheiten, die ich nicht hören wollte.
 
Die Tageskarte für morgen ist  V – Der Hierophant..

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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