Papiergedanken (#033)

Was beim Nachdenken über Zigarettenpapier alles so “hochkommt”

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Zigarettenpapier hab ich gekauft. Wie immer im Laden am Bahnhof und wie immer diese eine ganz bestimmte Sorte, die nur in diesem Laden so preiswert ist. In anderen Geschäften wird sie mit einem Luxusaufschlag verkauft. Die zehn Packungen reichen für ziemlich viele Selbstgedrehte. Etwa fünf Wochen vergehen, ehe ich wieder Papier holen geh.

Ja, ich rauche. Wieder. Noch. Vielleicht zuviel, vielleicht sollte ich besser überhaupt nicht rauchen? Ist ja schließlich wirklich ungesund.

Ich hatte vor vielen Jahren schon einmal mit dem Rauchen aufgehört. Das erste Mal noch zu DDR-Zeiten, als die Schachtel «alte» Juwel (zur Unterscheidung von Juwel 72 so genannt) genau 2,50 M kostete. Damals brauchte ich zwei Schachteln für drei Tage. Im Monat gab ich also etwa 50 M für Zigaretten aus.

Das Aufhören damals war allerdings nicht ganz freiwillig. Als ich wiedereinmal laut darüber nachdachte, nutzte meine damalige Frau die Gelegenheit und “unterstützte” mich mit ein klein wenig sehr fieser Erpressung dabei.

Das gesparte Geld, diese 50 Mark monatlich, könnten ja dann auch für etwas Anderes, Sinnvolles ausgegeben werden. Doch wie sehr ich auch schaute: Am Monatsende war das Geld nicht übrig. Wieso auch? Schließlich verwaltete die Frau das Geld.

Als dann neben dem Nichtrauchen allerdings auch noch Abnehmen erpreßt werden sollte, begann ich wieder zu rauchen. Wir trennten uns – zunächst verabschiedete sie sich innerlich aus der Beziehung, dann hatte sie einen andern Mann und zog aus.

Vor drei Jahren dann begann ich mit dem Selberdrehen. Die ersten Versuche, eine kleine Portion Tabak und einen Filter in ein Papier zu wickeln, zeitigten schauderhafte Ergebnisse: krumm und schief und oft nicht ganz zugeklebt. Es dauerte auch immer ziemlich lang, bis ich einen akzeptablen Glimmstengel fertighatte.

Mit der Zeit aber wurde ich geschickter. So richtig gut funktionierte das Drehen erst, als ich auf das heute von mir verwendete Zigarettenpapier umstieg. Es ist nämlich ein Drittel schmaler als das «normale». Es ist «slim». Ich brauche viel weniger Tabak. Und ich begriff:

Das Maß an Inhalt muß der Form angepaßt sein – sonst platzt etwas oder wird unansehnlich dick. Denn die Form paßt sich an den Inhalt an. Zumindest bei den sebstgedrehten Zigaretten.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 1. Februar 2012 war ein erstandenes Schnäppchen.

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Über Der Emil

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0 Antworten zu Papiergedanken (#033)

  1. Inch sagt:

    Sehr passend Dein Blog. Gerade gestern habe ich nämlich darüber nachgedacht, ob ich tatsächlich Lust habe, mir ein paar Kilos abzuhungern. Ich habe festgestellt, dass ich keine Lust habe. Noch bin ich ja nicht unansehnlich dick und würde mein Gewicht als Wohlfühlgewicht bezeichnen 😉

  2. sweetkoffie sagt:

    Hab auch einen selbstdrehenden Mitbewohner … 😛

  3. Follygirl sagt:

    Ja…die Leiden der Raucher…
    Ich hab meine Bläättken früher immer schon von den Kaasköopen geholt (anderes auch…) und ich hab nur einmal aufgehört, das aber für immer.
    Im Schnitt hab ich ein Paket am Tag geraucht, (später mehr, denn da war dann weniger drin…) und das mehr als 30 Jahre, immer nur Selbstgedrehte. Alles andere ist nix ist nur für Weicheier…
    Aber ohne Qualm gehts einfach besser für mich. LG, P.t

    • der_emil sagt:

      Bei meiner Sorte sind 66 Blättchen in einer Packung – dafür brauch ich zweieinhalb Tage. Und mit 40 g Tabak komm ich eine Woche hin. So schlimm bin ich also nicht.

      • wupperwasser sagt:

        25 Kippchen – Wären also mehr als eine Schachtel am Tag. Finde ich rückblickend schon viel. Habe ich aber streckenweise auch geraucht. Irgend ein Arzt hat dann mal zu mir gesagt, ich solle wenigstens auf 10 reduzieren. Hat nicht geklappt mit dem reduzieren, dafür hab ich aber jede Grippe genutzt um einen Rauchstopp zu versuchen. Ich habe fünf oder sechs Anläufe gebraucht, jetzt bin ich schon ein Jahr „clean“. Es ist schön „frei“ zu sein und nicht mehr bei minus-Graden vor die Tür zu müssen, trotzdem – ich hab schon gern geraucht…
        Rainald Grebe hat das Thema recht amüsant verpackt: http://www.youtube.com/watch?v=CA8v6_qEt4A
        Grüße,
        Wupperwasser

  4. ute42 sagt:

    Bei mir passt der Inhalt auch nicht mehr so richtig zur Form oder umgekehrt 🙂
    Zigaretten kaufe ich allerdings „am Stück“.

  5. Himmelhoch sagt:

    Emil, ich weiß nicht, wie oft ich vor dem letzten erfolgreichen Versuch auch mit der Raucherei aufgehört hatte. Doch jetzt bin ich seit 2004 clean und finde das wirklich schöner als vorher – und es war mindestens eine Schachtel am Tag, nicht nur so drei Genusszigarettchen.

  6. Gudrun sagt:

    😀 „Inhalt muß der Form angepaßt sein“ – ach ja, das ist nicht nur in eigenfigürlichen Dingen so, oder beim Kippen drehen.
    Eigentlich wollte ich sie fotografieren, die Zigerette, die mein Sohn zu recht fortgeschrittener Stunde zusammengedreht hatte. Das war schon Kunst. 😀
    Ich selber bin froh, dass ich das Thema Rauchen hinter mir gelassen habe, weil es ernsthafte Gesundheitsgefährdungen gab. Da war mir auch egal, dass sich die Form etwas geändert hat. Geld ist übrigens bei mir nicht übrig geblieben am Monatsende.
    So, und jetzt gehe ich mal meine Laster zählen. Sie Summe soll ja immer gleich bleiben.

  7. sucherin sagt:

    Ich habe auch über 20 Jahre gedreht. Hat mir immer viel Freude gemacht. Nun bin ich bereits 10 Jahre rauchfrei und lebe auch noch 🙂

  8. wildgans sagt:

    „ein klein wenig sehr fies“
    Was für eine verniedlichende Ausdrucksweise großer Dinge!
    Gruß von Sonja

  9. ibdn sagt:

    Herr Fußvolk dreht auch selber…schon immer…ist auch etwas umweltfreundlicher…falls mal ein Stummel auf den Boden fällt. *g*

    LG

    Ute

  10. fudelchen sagt:

    Bin umgestiegen auf E….nichts stinkt mehr, rauche weniger, finde ich optimal 😉

  11. Gabi sagt:

    Hab zwar früher viel geraucht, aber nie selbst gedreht. Komischerweise wäre ich nie auf die Idee gekommen.
    Und ich hab auch mehrere Anläufe gebraucht, bis es mit dem aufhören klappte. Der Punkt bei dem Ganzen: man muss es selber wirklich wollen und nicht, weil es einem jemand anderer einredet.

    lg Gabi

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